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Der kleine Frühjahrsputz für deine Website



"If the reader is lost, it's usually because the writer hasn't been careful enough." - William Zinsser


I know, beim Lesen solcher Zitate nickst du einerseits, andererseits wünschst du dir einen Zauberstab herbei – Stechpalme, Phönixfeder, elf Zoll, handlich und geschmeidig.


Das Ding einmal geschwungen und schon wäre deine Website organisiert und fertig.


Heb dir den magischen Stab für weitaus schwierigere Herausforderungen auf. Denke stets an Voldemort.


Es bedarf lediglich ein paar Feinheiten, um deiner Website mehr Glanz, mehr Struktur und mehr von dir geben.


Ohne dafür einen Texter oder Zauberer zu engagieren.

Und ohne dafür Tage zu investieren oder die sieben Harry Potter Bücher zu lesen.

Lies diesen Blogartikel und gehe anschließend motiviert ans Werk.


Natürlich weiß ich, dass sich das Lesen eines Artikels übers DIY-Editieren anfühlt, wie das von Anleitungen für selbstgemachte Kerzenständer aus Beton:


Spaß beim Lesen, weniger Spaß beim Tun.


Aber, vertrau mir!




Eidotter, Gänsekraut und Islandmoos

An die Tasten, fertig, los.







Klare und übersichtliche Struktur

1. Damit deine Website genauso viel Spaß macht, wie das Suchten der Lieblingszeitschrift, solltest du dich von deinen Lieblingen trennen. Damit meine ich die Lieblinge, die sich zwar wunderschön anhören, der Lesbarkeit aber absolut im Weg stehen.


Ojé, das Härteste gleich zu Beginn, oder?

I feel you!


Wenn dir bei dem Gedanken daran die Tränen in die Augen schießen und sich Abschiedsschmerz breit macht (schließlich hat dich das viel Zeit und Gehirnschmalz gekostet), dann füge sie einfach in ein Google-Dokument ein oder schreibe sie in dein Notizbuch.


Möglicherweise kannst du sie irgendwann anders nochmal verwenden.



Beachte, dass das Lesen auf dem PC, Handy oder Tablet ein anderes ist, als das eines Print-Magazins. Bearbeite deine Website also so, dass sie sich perfekt für Scanner eignet:


  • Verwende Überschriften und viele Unterüberschriften

  • Verwende Listen und Aufzählungen, wo es Sinn macht

  • Verwende Absätze und ordne Sätze neu

  • Verwende Bilder und Grafiken, um deine Texte zu „zertstückeln“

2. Sag deinen Lesern auf jeder einzelnen Seite, was sie als nächstes tun sollen.


Schließlich sagst du doch auch deinen Besuchern zu Hause, wo sie das Gästebad finden und was du für Getränke auf Lager hast, wo sie rauchen dürfen und ihre Schuhe abstellen können.

Du leitest sie an. Stimmt‘s?


Dasselbe gilt für deine Website.


Ist ihnen nicht klar, was als nächstes zu tun ist, dann werden sie wieder gehen. Keiner möchte sich verloren oder schlecht aufgehoben fühlen und seine Zeit verschwenden.


Also sag ihnen am Ende jedes Seiteninhaltes, was sie als nächstes tun sollen bzw. können. Am besten mit einem gut sichtbaren Call-to-action Button:


  • Zur Übersicht deiner meistgelesenen Blog-Posts

  • Zur Newsletteranmeldung für einen Gratis-Download

  • Zur Kontaktseite, um dir eine Anfrage schicken zu können

  • Zum Instagram-Account, weil du wöchentlich für eine Q&A Session live gehst

3. Belass es auf deiner Sales Page nicht bei einer detaillierten Aufzählung von Funktionen und Features.

Füge unbedingt Vorteile und Benefits hinzu!


Was haben deine potentiellen Kunden davon? Das ist doch letztlich das, was interessiert und motiviert.

  • Was macht dein Angebot so speziell?

  • Wie kann dein Angebot deine Kunden unterstützen?

  • Welche Probleme können dadurch vermieden werden?



Stimme, Stil und Persönlichkeit


4. Variiere deine Wortwahl und stimme deine Sprache fein ab.

  • Wenn möglich, tausche Adverbien gegen aussagekräftige Verben aus.


- Sie flitzte statt schnell zu rennen

- Er brüllte statt laut zu rufen

- Wir plapperten statt uns hektisch zu unterhalten



  • Verwende Metaphern und Analogien.


- Freust du dich über die neue Kooperation, die sich aufgetan hat?

- Oder könntest du vor Freude einen Baum ausreißen, damit den Eiffelturm im Affentempo hochsprinten, um ihn dann anschließend wieder hingebungsvoll einzupflanzen?


5. Nun wird es Zeit, persönlich zu werden. Auf jeder Seite.

  • Inspiriere durch Geschichten

  • Werde durch Anekdoten eine*r von ihnen

  • Mach deine Texte mithilfe von Metaphern und Analogien erlebbar

  • Teile persönliche Häppchen aus deinem Leben: dein letztes Konzert, dein Lieblingskäse, die Sache, die dich jedes Mal aus Neue im Erdboden versinken lässt und der Geheimtrick, der dich wieder empor hebt


6. Und da du jetzt in Stimmung bist, lies dir deine ganze Website noch mal durch und schreibe an eine einzige Person. Deine Zielperson. Deinen besten Freund. Deine Großeltern.





Prüfung auf Herz und Nieren

7. Verlasse dich nicht auf die automatische Rechtschreibprüfung und nimm dir Zeit fürs Korrekturlesen. (Nicht zu verwechseln mit regelmäßig durchlesen.)


  • Lies von unten nach oben. Durch die falsche Reihenfolge wirst du schnell sehen, ob du ein Wort ausgelassen, ein Wort wiederholt oder sogar nur das falsche Wort gewählt hast.

  • Lass ruhig auch jemanden drüber lesen, der dafür bekannt ist, das Haar in der Suppe zu finden.

  • Vergewissere dich auch, ob du Eigennamen wirklich richtig geschrieben hast. Ist es Online-Marketing, Online Marketing oder Onlinemarketing?

8. Lies es hinterher laut vor. Es gibt nichts Besseres, um deine Stimme zu finden!


  • Hört sich der Text nach dir an?

  • Geht er dir gut von der Zunge?

  • Würde es auch dein achtjähriger Neffe verstehen?


Lies es deinen Liebsten vor, deinem Mitbewohner, deiner besten Freundin.

Wenn sie sagen, es hört sich unecht, hochtrabend, unsicher oder schleimig an, lösche die entsprechenden Absätze.


9. Klicke auf jeden Link, um sicherzustellen, dass er auf die richtige Seite führt.


Es ist doch nichts frustrierender, als zur 404-Seite, statt des Freebies zu gelangen. Oder auf einen weiterführenden Artikel geleitet zu werden, der im Nichts endet.


Und jetzt stell dir mal vor, du baust diesen Link auch noch in deinen Newsletter ein:

Zig Leute werden diesen Link vergebens drücken und unbefriedigt schlafen gehen.



Die Kirschen auf der Torte



10. Hast du Referenzen, Dankesnachrichten, Bewertungen oder Lobeshymnen auf Lager, in deinem Mailfach, im Briefkaten oder auf Band?


Dann streue sie wie Konfetti auf deine Seiten.

Überall ein paar davon.


Denn wer sagt, dass die Leser, die auf deine Kontaktseite gelangen, auch automatisch auf deine About-Page gehen?


Verpasse nicht die Gelegenheit, wirklich alle Besucher mit solch wundervoll gesagten Worten zu erreichen.


Außerdem sind Häppchen doch viel einfacher zu konsumieren als ein Quattro-Beef-Burger mit ganzen Tomaten, den man nicht auf einmal schaffen wird. Oder?

11. Lass deine Leser 1-2 Dinge von dir testen. Lass sie quasi eine Probefahrt machen, bei der sie mehr bekommen, als sie vor dem Einstieg gedacht hätten.


  • Ein Blogbeitrag, der ein kleines Training bereithält

  • Ein Freebie, das süchtig macht

  • Eine Playlist, die jeden Morgen aufs Neue motiviert

12. Vergiss nicht die Details!


Widme dich auch den ungeliebten Seiten und Elementen.


Für dich mögen sie irrelevant sein, langweilig, spießig und alles andere als gewinnbringend.

Für Detailverliebte, die jede Ecke deiner Website durchleuchten möchten, könnte der Aufenthalt durch die vergebliche Suche nach eben diesen zu einer Enttäuschung werden.


Schenke also deinem Footer, deinem Kontaktformular oder einer möglichen 404-Seite die Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht. Sie gehören nunmal dazu.


Lass auch diese von deinem Charme und deiner Persönlichkeit profitieren.



Dann schlaf eine Nacht drüber und lies dir deine Website am nächsten Tag noch einmal mit munteren Augen durch. Es ist erstaunlich, was du noch entdecken wirst.




Oooooo-kay, jetzt hast du es bis hier unten geschafft.

Komm, dann zieh die Sache auch bis zum Schluss durch!