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Eine Texterin plaudert aus dem Nähkästchen



Bernadette Buhl ist im Verlag groß geworden, am Dreh- und Angelpunkt der Sprache.



Dass eine selbstbewusste Sprache den Erfolg der Unternehmenskommunikation bestimmt, steht für Bernadette außer Frage: "Sie ist es, die den Unterschied zwischen plump, austauschbar oder einzigartig macht."


Um die eigene sprachliche Identität zu finden und damit die eigene Marktposition zu verbessern, braucht es glaubwürdige Worte, ein bildhaftes Vokabular, Corporate Language, Storytelling und eine präzise Zielgruppenansprache.



Und genau darauf hat sich Bernadette mit Textplizit spezialisiert. (Der Background als Kauffrau spielt ihr durchaus in die Karten.)



"In fünf Zeilen muss erkennbar werden, woran eine Marke glaubt – ohne Phrasendrescherei und Marketingblabla." Genau das mache einen guten Text aus.




© Barbara Gandenheimer



Aufmerksam wurde ich auf Bernadette, als sie mir eine ganz liebe und wertschätzende Nachricht schickte, in der sie meinen t3n-Artikel über Markenaufbau lobte.


Mit ihren Texten und ihrer Art hatte sie mich sofort. Ich wollte etwas mit ihr machen. Etwas Tolles, dass Substanz hat und Mehrwert bietet.



Dieses wundervolle Interview ist dabei entstanden.

Wir wünschen dir viel Spaß beim Lesen!







Welches Textgenie hat(te) den größten Einfluss auf deine Arbeit und bei welchem wirst du noch immer zum Fangirl?



Aus der Werberwelt finde ich Armin Reins schon sehr gut. Er hat etwa für Coca-Cola, Opel oder Nivea getextet. Später gründete er die Texterschmiede in Hamburg.


In der Literatur bringt Mark Twains Zitat „Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen“ auf den Punkt, worauf es auch bei einer Werbebotschaft ankommt:


Nur die richtigen Worte überzeugen und verkaufen.


Und letztlich gehört tatsächlich ab und an das Studieren von Headlines aus der BILD zu meiner Leseroutine. Die schafft es derart komprimiert Aufmerksamkeit zu erregen. Ich erinnere an „Wir sind Papst“.






Gibt es ein textliches Goldstück, auf das du ein wenig neidisch bist, weil du es gern geschrieben hättest?



Spontan fallen mir die Aufsehen erregenden Sixt-Kampagnen ein.


Die sind lustig, provokant und geistreich zugleich. Ob Angela Merkels Sturmfrisur oder ein Shakespeare-Zitat, das gegen Boris Johnson wettert.

Toll auch deren Verbreitung: Die Sprüche gehen in Social Media viral, werden aber auch in der Süddeutschen abgedruckt.






Schauen wir in die Vergangenheit und in die Zukunft: Auf welches deiner Projekte bist du besonders stolz und wirst noch im Altersheim von erzählen? Und von welchem Projekt träumst du schon seit Ewigkeiten?



Stolz bin ich immer dann auf ein Projekt, wenn das Gesamtpaket stimmt. Also nicht nur ein guter Text auf Isolierstation, sondern wenn das Design und die Sprache miteinander verschmelzen.


Dafür gibt es einige Beispiele, von der Webseite bis zur Broschüre. Die Königsdisziplin ist natürlich ein prägnanter Claim, der direkt im Logo einer Marke integriert wird und so gut ist, dass er über Jahre Bestand hat.


Im Traum texte ich für einen kleinen Shop, der tolles Typo-Design auf Shirts, Taschen und Tassen druckt und durch meinen ausgeklügelten SEO-Content Amazon den Rang abläuft ;-)






Über welchen deiner anfänglichen Fehler bist du besonders froh, da du hier jede Menge mitnehmen konntest?



Texten ist keine abgehobene Wort-Akrobatik.


Das ist echtes Handwerk. Viel lesen, viel recherchieren, viel lektorieren. Und vor allem: Lernen zu beurteilen, was Ausschuss ist.


Davon hat man als Anfängerin nämlich jede Menge.






Hast du einen Geheimtipp, um schwierige Projekte zu meistern?



Bring dich zunächst in einen guten Zustand (bei mir helfen Ruhe und Kaffee).


Fang an, alle Hard Facts um dein Thema zu sammeln: Tatsachen, Statistik, Beispiele, Vergleiche, Definitionen, Bild und Ton …


Und dann fang an!






Wenn wir schonmal dabei sind: Wie haben sich deine Arbeitsprozesse im Laufe der Jahre verändert? Welche „Bräuche“ hast du abgelegt oder neu begonnen?



Brainstormings nur noch in kleinen produktiven Gruppen.

Texten nur noch allein.


Alles andere kann man ausprobieren, bei mir hat das nicht so gefunzt. Ich muss da ganz tief reindenken und das kann ich am besten, wenn ich alleine brüte.

Danach Feedback von außen einzuholen ist natürlich wieder gut, denn ein Blick von außen öffnet häufig nochmal die Augen.






Jetzt stell dir mal vor, es soll ein großer Kessel mit den besten Texttipps gefüllt werden. Die Schwierigkeit dabei ist, dass du als Letzte an der Reihe bist und jede Zutat nur 1x verwendet werden darf. Alle gängigen Tipps wurden bereits hineingeworfen. Was steht auf deinem Zettel?



Ob Schlagertext, Blogartikel oder Tweet – bei allen gängigen textlichen Stilmitteln solltest du dich auch immer fragen:


Hast du dich der Durchschnittlichkeit widersetzt und verführst du durch Witz, Charme, Provokation, Emotion oder Mut?






Dürftest du eine dieser lehrreichen Zutaten aus dem Kessel entfernen, weil sich diese in deiner Texterinlaufbahn als wenig praktisch und effektiv erwies, welche wäre es?



Lass von einem anderen Texter gegenlesen.


Nö, lass lieber von der potenziellen Zielgruppe gegenlesen. Und wenn deine Oma die Zielgruppe ist, frag die Oma: „Gefällt dir das?“ und „Verstehst du das?“.






Ein Thema liegt mir ganz besonders am Herzen: Die About Page. Welche drei Zauberwörter sollten hier keinesfalls fehlen?



Find ich übrigens gut, dass du das zu deinem Steckenpferd gemacht hast.

Die About Page wird unheimlich gern geklickt, darüber staunen meine Kunden immer wieder.


Drei Parts, die sie spannend machen: Die gute Nachricht, die schlechte Nachricht und die Wahrheit.






Die letzte Frage leite ich mit William Zinsser ein:







Nickst oder schüttelst du mit dem Kopf?



Meine volle Zustimmung.


Denn nur durch eine prickelnde Umschreibung kann ich Worthülsen wie Qualität, Service oder Kompetenz greifbar machen.


Nur so umschiffen wir das kommunikative Mittelmaß.





Vielen lieben Dank, Bernadette, für deinen professionellen Input und den persönlichen Einblick!







Bernadette Buhl


Mit ihren Texten und Kommunikationskonzepten verhilft Bernadette Buhl kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Marken zu mehr Wahrnehmung, einem authentischen Verkauf und guten neuen Mitarbeitern.


In ihren 20 Berufsjahren als Texterin präzisiert sie Sprache als den Fingerabdruck eines Unternehmens. Sprachliche Kreativität ist für Bernadette Ausdruck für Firmenkultur, Mittel zur Wettbewerbsfähigkeit und eine entscheidende Brandbuilding-Maßnahme.


Es gibt kaum eine Branche, für die sie keine Inhalte formuliert hat. Dabei entwickelte sie Konzepte von der klassischen Werbung über Digital Marketing, B-to-B, PR bis Social Media.




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