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Die About Page – Regeln sind da, um sie zu brechen



Damals bei uns daheim gab es kein dickes Regelwerk. Geschadet hat es mir nicht. (Meinen Eltern manchmal schon.) Mir wurde freie Hand gelassen – das war mutig. Das zeigte mir aber auch, dass meine Eltern mir ein gewisses Grundvertrauen entgegenbrachten.  Und das gab mir wiederum das Vertrauen, mir zu vertrauen, auch mal mit dem Kopf durch die Wand zu gehen anstatt die Tür zu nehmen.

Regeln in Frage zu stellen, wurde mir quasi in die Wiege gelegt. 




Worauf will ich hinaus? Dass es sich lohnt.  Auch auf deiner About Page.  Und genau deswegen habe ich mal ein paar gehypte Marketing-Regeln hinterfragt.

1. Auf deiner About Page geht es nicht um dich

Aber warum klicken wir denn auf die About Page von Person YZ?  Wir möchten wissen, wie die Person drauf ist, was die Person drauf hat und wie die Person drauf kommt. 

  • Wir fühlen uns von Menschen verstanden, die so ticken wie wir. Wir suchen also nach der Gewissheit, dass die Person zu uns passt.

  • Wir interessieren uns für ihre einzigartigen Erfahrungen, um für uns etwas Bedeutsames daraus zu ziehen. Um zu erfahren, wie sich dadurch unsere Zukunft positiv beeinflussen lässt.

  • Denn Menschen erreichen uns nur, wenn wir das Gefühl haben, ihnen und ihrem Können Glauben schenken zu können. Wir wollen darüber lesen, wie es ist, der Mensch zu sein, der etwas erreicht hat.

2. Der richtige Einstieg auf deiner About Page ist das A und O

Ein gelungener Text-Einstieg ist immens wichtig. Aber das reicht nicht. Ich lese deine About Page, weil ich mir am Ende einen Aha-Moment erhoffe, der mich zu weiteren Taten anspornt. Schau mal: Hast du nach einem furchtbar schlechten Film-Ende Bock auf eine Fortsetzung? Müsste es dann nicht das Ziel sein, ein Ende zu schaffen, dass das Verlangen nach mehr auslöst.

3. Deine Worte sind die Geheimwaffe deiner About Page

Aber es sind doch die Satzzeichen, die bestimmen, wie deine Worte gelesen, verstanden und interpretiert werden.  Es geht mir hier nicht um die Grammatik, sondern darum, wie Interpunktion den Stil und die Stimme von Texten beeinflusst. Schau mal, es gibt Menschen, die man beim Lesen ihrer Texte im Kopf hören kann. Als stünden sie direkt vor einem. Sie tun genau das, was wir aus Ehrfurcht oder Ignoranz allzu oft vernachlässigen: Großen Wert auf die vermutlich unscheinbaren Satzzeichen legen. Du willst Beispiele? Sehr gern.

  • Sollen Dinge verlangsamt werden und deine Leser*innen eine kurze Pause machen, nutze Kommas.

  • Bindestriche halten deine bestehenden Gedanken  fest und lassen deine Leser*innen für einen kurzen Moment innehalten. Perfekt für eine Zwischenbemerkung oder um auf etwas aufmerksam zu machen.

  • Mit einer Klammer fügst du easy peasy nachträgliche Gedanken hinzu.

  • Um einfache schnelle Gedanken mitzuteilen, brichst du lange Sätze auf und machst sie mittel eines Punktes zu kurzen Perioden.

  • Durch Fragezeichen stellst du eine Verbindung zu deinen Leser*innen her.

  • Ausrufezeichen sind sehr laut und dürfen ruhig sparsam eingesetzt werden. 


4. Deine Leser*innen interessiert dein Leben

Bedingt. Unser Gehirn ist auf Effizienz programmiert. Wenn ich also denke zu wissen, was du sagen wirst, macht sich mein Gehirn gar nicht erst die Mühe, weiterzulesen. Ich überspringe diesen Teil. Anstatt deinen also bisherigen Weg grob zusammenzufassen, schnapp dir doch einen ganz speziellen Moment aus deinem Leben und beschreibe diesen so anschaulich wie möglich. Ein vergrößerter Ausschnitt holt deine Leser*innen viel näher ans Geschehen als ein großes Ganzes. Lass’ kleine unerwartete Dinge einfließen, um mein Gehirn zu wecken und mich zum Nach- und Umdenken zu bringen.




5. Kreatives Schreiben ist auf deiner About Page fehl am Platz



Wenn es auf deiner About Page um Persönlichkeit geht, warum darf dann dein Schreibstil nicht persönlich sein?


Warum sollte deine poetische Ader, dein Geschick zu Reimen oder dein Sinn für Humor nicht in deine About-Page-Texte einfließen?

Vielmehr ist es eine unaufdringlich Art und Weise, etwas von dir preiszugeben ohne viel von dir preiszugeben.


Ob Poesie, Reime oder Witze - kreativ zu schreiben, ist eine großartige Möglichkeit, den eigenen Wortschatz auszubauen. 

  • Es stärkt nämlich die synaptischen Verbindungen unserer grauen Masse

  • Dadurch fällt es uns leichter, Worte zu finden, abzurufen und zu improvisieren

  • Somit behalten wir einen scharfen Verstand und einen flüssigen Wortschatz




Zugegeben, es muss nicht immer die schmerzhafte Erfahrung mit der Wand sein.

Dinge zu hinterfragen kann deinen Kopf zwar auch ins Schleudern bringen, aber es tut nicht weh.


Und deiner About Page wird es auch nicht wehtun, wenn du ein wenig experimentierst.

Sie ist der Teil deiner Website, bei dem du die Sau raus, die Katze aus dem Sack und die Hüllen fallen lassen kannst. ⠀



Give it a try!





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© 2020 SANDRA SCHWIETZER | FOTOS: CLAUDIA WEIDAUER