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Die Welt wartet darauf, dass du sie endlich überzeugst



Da stöberte ich also bei YouTube herum.


Und als mein Zeigefinger schon bereit war den Tab zu schließen, wurde mir ein Mann angezeigt, der vor bunt beleuchtetem Hintergrund seinen linken Arm in die Luft riss.


Kein Grund, der mich motiviert hätte auf dieses Video zu klicken.

Bis ich die Headline las: Do school kill creativity?



Das Ende vom Lied: Ich TEDe jetzt. Bin um viele Vorträge klüger, aber auch süchtig.



Ich weiß nicht, ob mich ein Vortrag bis zu diesem Tag je so gefesselt hat.


Ein älterer Mann in Anzug zog mich mit einer zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alten Präsentation in den Bann, die er nicht hätte skuriler beginnen können


„It's been great, hasn't it? I've been blown away by the whole thing. In fact, I'm leaving.“


Folgend die These, dass Kreativität heute genauso wichtig für Bildung ist, wie Lesen und Schreiben, und sie deshalb gleichwertig behandelt werden sollte.







Ich war neunzehneinhalb Minuten in einem tranceartigen Zustand voller Begeisterung, den ich mir früher im Geschichtsunterricht gewünscht hätte. Dann hätte mein Vater nicht jedes Mal meine Hausaufgaben machen und mir das facettenreiche Mittelalter näher bringen müssen.


Bei der Frage, wie ich jemanden zukünftig inspirieren mag, fiel die Entscheidung eindeutig auf Sir Ken Robinson. Meine ehemalige Geschichtslehrerin kann einpacken, wenn sie es nicht schon längst getan hat.




Ich will ja gar keine große Rednerin werden, auf Bühnen stehen oder Geschichte unterrichten. Aber ich möchte meine Idee wirkungsvoll verpacken und mein Gegenüber davon überzeugen.



Gut präsentieren zu können, ist heute eine wichtige Qualifikation.



Egal, ob im Vorstellungsgespräch, bei einem Referat oder beim eigenen Pitch: Wer gut vorträgt, hat schon fast gewonnen. Und das wollen wir doch, oder?


Also lasst uns die TED-Talks*, das, was sie ausmacht und das, was wir mitnehmen können ein wenig genauer betrachten.





Alle 18 Minuten verliebt sich jemand in einen TED Talk


Wieso? Es ist ein Mix aus Leidenschaft, Sprache und Zeitgefühl.


1. Laut TED beträgt die ideale Länge einer Rede 18 Minuten.


Denn in einer Zeitspanne von 15 bis 20 Minuten lässt sich ihr Inhalt auf den Punkt vermitteln, ohne dass die Aufmerksamkeit der Zuhörer schwindet.



2. Auch wenn wir noch so viel Dinge zu erzählen haben, sollten wir uns nur drei Aspekten widmen.


Anderenfalls besteht die Gefahr, dass sich die Anwesenden fühlen wie im Geschichtsunterricht des Karl-Schiller-Gymnasiums. Und keiner hat doch die Absicht hat, sein Gegenüber zu überfordern.


Damit der Vortrag nicht ausartet, müssen wir uns im Vorfeld fragen, was unsere wichtigste Aussage ist und welche drei Argumente diese Kernaussage stützen.



3. Nur wenn Stimme, Redetempo und Körpersprache stimmig sind, schaffen wir es durch Authentizität sowohl Aufmerksamkeit als auch Vertrauen zu gewinnen.


Dafür stehen wir bestenfalls gerade, aber locker. Das signalisiert Zuversicht und Aufrichtigkeit. Die wichtigsten und aussagekräftigsten Momente vertragen durchaus dramatische Gesten.



4. Wenn wir leidenschaftlich über ein Thema reden, gibt uns dieses intensive positive Gefühl Kraft, andere zu begeistern. Es reicht schon ein einzelner Aspekt eines Themas.


Ich beispielsweise interessiere mich nicht für die ganze Bandbreite des Copywritings. Mich begeistert Storytelling.


Sind wir mit voller Leidenschaft dabei, entwickeln wir uns zu Meistern auf diesem Gebiet und das bildet die Grundlage für eine großartige Präsentation.





9 von 10 TED Talks hinterlassen gewaltigen Eindruck


Wie? Mit Humor, Geschichten und zusätzlichen Eindrücken.



1. Wenn wir Menschen überzeugen wollen, dürfen wir nicht mit Geschichten geizen. Ob die eigene, die der Anderen oder die von Unternehmen oder Marken.


Mit Storytelling reißen wir die Zuhörenden emotional mit, da es ihnen leichter fällt sich mit dem Erlebnis zu identifizieren. Anders würde es sich bei einer ausschließlich abstrakten Präsentation verhalten. Geschichten eignen sich hervorragend, unseren Fakten eine Seele zu geben.



2. Außerdem können wir unserem Gegenüber viele Sinneseindrücke bescheren.


Sprechen wir zum Beispiel von einem morgendlichen Spaziergang im Herbst, weckt das eventuell Erinnerungen an den Laut des Windes, das Bild der bunten Herbstblätter, die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut oder an den Geruch des Waldes.


Mithilfe solcher Assoziationen lassen sich Einzelheiten doch viel besser merken als nur durch das Aufzählen von Fakten, oder?



3. Laut einer TED-Talk Analyse, machen die besten Präsentationen 65 Prozent Begeisterung, 25 Prozent Argumentation und 10 Prozent Glaubwürdigkeit aus. Das heißt, dass die Fähigkeit, unsere Zuhörer zu begeistern sehr viel gewichtiger ist als die Erfahrung in diesem Gebiet.


Und mit langweilen Power-Point-Präsentationen erreichen wir sicherlich keinen Schwall der Begeisterung.


Um unserem Vortrag alle Ehre zu erweisen, sollten wir mit wirkungsvollen, unterstützenden Mitteln wie Bildern oder auch Musik arbeiten. Was nicht dazu zählt, ist viel Text auf den Folien. Ist unser „Publikum“ erstmal mit lesen beschäftigt, haben sie kein Ohr mehr für unsere Echtzeitworte.


Wäre doch fatal.



4. Ein Redner, der über sich selbst schmunzeln kann, wirkt sehr viel sympathischer.


Mit kleinen humorvollen Einlagen, wie alltägliche Anekdoten oder auch Analogien und Metaphern wird unsere Message garantiert besser empfangen. Außerdem baut Humor Spannungen ab und schafft sofort eine positive Atmosphäre. Vorausgesetzt die Scherze gehen nicht auf Kosten anderer.





TED ist nicht nur Deutschlands beste Wissensvermittlung


Warum? Wegen neuer Informationen und Wow-Momenten.



1. Sobald in einer Präsentation ein unerwartetes Element aufpoppt, werden die Zuhörer wachgerüttelt. Sie horchen auf und werden aufmerksamer. Genauso verhält es sich mit neuen Sichtweisen auf Althergebrachtes.


Ein perfekter Vortrag beinhaltet also mindestens einen Fakt, der die Zuhörenden kurz mal in eine Schockstarre versetzt – bei heruntergeklappter Kinnlade. Dank des produzierten Dopamins bei spannenden, aufregenden Infos werden sie sich später noch daran erinnern.



2. Selbst wenn es keine Neuigkeiten zum Thema gibt; oft tun es auch überraschende Statistiken, die das Publikum selbst betreffen.



3. Genauso lassen sich kleine Provokationen, die schockieren, wirkungsvoll in Vorträge einbauen.


Bill Gates schaffte das 2009 mit seiner Rede zu den Gefahren von Malaria.

Mitten in der Präsentation öffnete er ein Glas voller Moskitos und ließ sie frei. Diese waren selbstverständlich keine Überträger von Malaria, aber solch ein extremer Moment prägt sich für immer in unsere Erinnerung ein.




Um eine grandiose wie überzeugende Präsentation zu halten, zählen Vorbereitung und Übung zum A und O.


Ich habe gelesen, dass der Harvard Hirnforscher Dr. Jill Bolte-Taylor seine Präsentation über 200 Mal probte, bis er uns an seinem Vortrag auf der TED-Bühne teilhaben ließ.




* Seit 1984 gibt es TED-Talks. Unter dem Motto „Ideas worth spreading“ kann sich jeder diese Vorträge, dessen Videos millionenfach angeklickt werden, kostenlos anschauen.