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Mach es wie die Schildkröte und setze auf Ruhe, Kraft und Beständigkeit


Gehe ich in eine Buchhandlung oder durchstöbere das Internet nach Ratgeber für Gründer*innen, stoße ich primär auf Buchcover à la "Wie du mit deinem Unternehmen in Lichtgeschwindigkeit Richtung Million düst".


Was ist aber mit jenen, die gar nicht nach höher, schneller, weiter streben und sich lieber als Freiberufler oder Selbständige eine solide, langlebige Existenz aufbauen möchten?

Jene, für die freie Zeiteinteilung, Freunde und Familie sowie Selbstverwirklichung ein viel größerer Gewinn sind als reich zu werden?





Da stand ich nun in leiser, wohlig warmer Atmosphäre und griff intuitiv nach dem Buch Das Slow-Grow-Prinzip, das mir eben nicht suggerierte, vierzig Stunden pro Woche wären zu, wenig wenn ich erfolgreich sein möchte.

Mir stattdessen ans Herz legt, auf kluges Wachstum zu setzen oder auch einfach Freiberufler zu bleiben.


Es ist eine Art Leitfaden für Existenzgründer*innen kleiner Unternehmen, die nicht super geil darauf sind, ein Milliardengeschäft aufzubauen; dem Erfolg dennoch nicht davonlaufen.


Ich kam, las und sieg... äääähhh kriegte Business-Tipps, die einen wieder ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

280 Seiten, in denen man sich nicht noch zusätzlich unter Druck gesetzt fühlt. Dafür sorgen wir schon von ganz allein.


Und meiner Meinung nach hat die Autorin in vielen Punkten gar nicht mal so Unrecht.



1. Probiere dich aus


Hört man auf die Meinung vieler Experten, darf bei der Gründung keinesfalls auf einen von Grund auf ausgearbeiteter Businessplan verzichtet werden.


Svenja Hofert hingegen empfindet das aufgeblähte theoretische Planen als überbewertet.


Denn ist es nicht oft besser, verschiedene Ideen einfach auszuprobieren? Erstmal abzuwägen, ob eine Dienstleistung und Produkt überhaupt ankommen? Im kleinen Stil zu starten, um die Chancen auszuloten?


Nach der Testphase müsstest du den Business-Wälzer eh nochmal neu schreiben. Spätestens jetzt kannst du erst sinnvoll mit Zahlen jonglieren, statt nur durch die Glaskugel zu schauen.


Es gibt viele Möglichkeiten, erst einmal klein einzusteigen und dabei zu lernen. Sophia Amoruso beispielsweise, nutzte anfangs nur eBay, um ihre Vintage-Mode zu verkaufen. Erst später, nachdem sie gemerkt hatte, dass ihre Idee gut ankommt, gründete sie ihren Onlineshop.


Frage auch gern zwei bis drei Branchenkenner deines Vertrauens nach ihrer Meinung und sauge ihre Kritik auf.


Wenn es dir hilft und dir dieses Kein-Plan-Ding zu suspekt und realitätsfern ist, plane gern die ersten hundert Tage deines kleinen Pilotprojektes. Mit welchen täglichen Taten kommt dein Vorhaben ins Rollen?


Je nach Erfolgen und Misserfolgen kannst du dich dann neu ausrichten bzw. Ideen verfeinern.



2. Entwickle deine Idee kontinuierlich weiter


Breitgefächertes Portfolio oder Nische? Auch hier gibt es wieder die weitverbreitete Expertenstimme „Spezialist statt Generalist“.


Wenn die Antwort anfangs noch nicht ganz klar ist, probiere dich in allen relevanten Themenbereichen aus und schau was dir liegt. Dann wird sich deine Geschäftsidee von ganz allein ins Nadelöhr fädeln.


Setzt du dich selbst unter Druck und wirst hektisch, lese ich nachher noch „Texterin für Backwaren" oder "Coach für Briefmarkensammler“ auf deiner Website.


Vielleicht übersiehst du nämlich leicht geöffnete Türen, in die du bei einer zu zeitigen Spezialisierung nicht geschielt hättest.



3. Du brauchst viel Zeit, aber nicht viel Geld


Wer sagt eigentlich, dass jede Gründung eine hohe Investition voraussetzt?


Lass mich raten, die Experten.


Die sagen bestimmt auch, dass es ein No-Go ist, am Anfang alles so einfach wie möglich zu halten.


Ein simpler Website-Baukasten reicht doch erstmal und warum Flyer, wenn es Social Media gibt. Gerade in der Startphase sollten die sozialen Medien nicht unterschätzt werden. Und auch viele kostenlose Tools, wie Canva, Unsplash und Mailchimp geben mehr her als gedacht.



4. Bleib realistisch


„Think Big!“, lautet die Lösung, die man immer wieder hört. Von Experten.

"Wenn du es wirklich willst – aus tiefstem Herzen – und dafür dein Leben aufgibst, kannst du schon morgen in der Liga von Google, Amazon und Co. mitspielen."


Zu viel auf einmal zu wollen birgt oftmals mehr Risiken als Chancen. Warum nicht erst in der Ostsee plantschen, statt sofort den Atlantik zu überqueren?


Ist es nicht motivierender, kleine Herausforderungen zu meistern und an ihnen zu wachsen als vielleicht zu scheitern, weil man zu big gedacht und sich überschätzt hat?



5. Konzentriere dich auf die Eigenschaften, die dir bei der Selbständigkeit helfen


Es gibt keine Superhelden. Zumindest nicht auf unserem Planeten.


Ich würde nicht einmal Steve Jobs oder Marie Forleo als perfekt bezeichnen.

Niemand ist perfekt, niemand ist ein Übermensch, auch die größten Unternehmer nicht.


Ich vermute, jeder von den ganz Großen würde unterschreiben, dass Gründen anstrengend, chaotisch und keinesfalls fehlerfrei ist. Machst du dir dann noch zusätzlich Druck, stets eine herausragende Performance hinzulegen, wirst du dir zeitlebens selbst im Weg stehen.


Du musst beispielsweise kein geborener Redner sein, aber es schadet dir keinesfalls, wenigstens deine Geschäftsidee gut präsentieren zu können.


Fang doch mit dem Schauen von TED-Talks an und probiere dich erstmal im kleinen Rahmen unter Freunden und Familie. Wenn du merkst, dass deren Begeisterung dich motiviert, erweitere den Kreis.


Das braucht zwar Zeit, fördert aber echte persönliche Entwicklung.


Und was deine angebotenen Leistungen angeht, sei es dir auch hier gestattet, diese Stück für Stück zu optimieren. Nicht alle Kunden erwarten von Anfang an Topleistungen. Schludern ist dennoch tabu.



6. Marketing muss nicht die Welt kosten


So wie du am Anfang nicht übertrieben gut sein musst, musst du auch nicht gleich in den Werbeolymp aufsteigen. Das ist zu früh ausgegebenes Geld.


Stell dir vor, dein Kundenfokus verschiebt sich doch noch oder du veränderst dein Angebot. Dann war alles für die Katz.


Deswegen ist es sinnlos, zu Beginn der Gründung Unmengen an Geld für professionelles Marketingmaßnahmen zu verbrennen. Das brauchst du noch an anderer Stelle, glaub mir. Es gibt so viele günstige und effektive Alternativen, um präsent zu sein.


  • Wix beispielsweise ist eine Online-Plattform, mit der du simple, aber schöne Websites völlig easy selbst erstellen kannst.

  • Damit du eine enorme Reichweite aufbauen kannst, freuen sich deine Profile in der sozialen Medien topaktuell gehalten und mit regelmäßigen Posts gefüttert zu werden.

  • Info-Abende, Workshops und andere Branchenevents eignen sich besonders um Kontakte mit Gleichgesinnten zuknüpfen. Gerade anfangs läuft vieles noch über persönliche Kontakte im eigenen kleinen Netzwerk. Aber genau daher rühren meist auch die ersten Weiterempfehlungen.


Und sogar völlig kostenlos kommst du mit deiner sympathischen Art weg. Ausstrahlung und Kompetenz sind in dieser Phase deutlich effektiver als eine teure Marketingkampagne.



7. Entwickle dich mit der Zeit, statt um jeden Preis zu wachsen


Du willst viel lieber selbst kreativ sein als zu delegieren?


Du darfst. Nur weil du gründest, musst du nicht zwangsweise Mitarbeiter einstellen.


Ist der Zeitpunkt gekommen, an dem du aufgrund der steigenden Auftragslage untergehst in Arbeit? Nimm dir das Recht heraus, Aufträge abzulehnen. Du könntest an Kolleg*innen weiterleiten. Damit machst du gleich zwei Seiten glücklich. Zuzüglich deiner Person.


Nimm dir doch die Freiheit, dich nur auf die Rosinenjobs zu konzentrieren. Genau die, die dich verdammt glücklich machen.



In diesem Sinne noch ein Satz aus Frau Hoferts Munde:


„Wichtig ist, dass du mit deinem Unternehmen und deiner Arbeit glücklich bist. Und das liegt allein in deiner Hand.“


Sei dir also über deine Persönlichkeit im Klaren und formuliere deine Ziele wie Wünsche so glasklar, dass du letztlich herausfindest, welche Form der Selbständigkeit die richtige für dich ist.