Was hat deine About Page mit Journalismus zu tun?



Nichts, würde man im ersten Moment meinen. Deine Website ist nicht das ZEIT-Magazin und deine About Page kein prominent platzierter Leitartikel. Du hast keine Mondlandung zu verkünden, willst nicht über einen Undercover-Einsatz im Tent City Jail berichten und Gossip zu verbreiten, liegt dir auch ferner als der Mond, auf dem du nicht gelandet bist.










Das dachte ich auch, bis zu jenem Tag, als ich im Kurs „Guter Journalismus – die ZEIT-Schule des Schreibens“ der ZEIT-Akademie versunken bin. Bis ich bei fast jeder journalistischen Form Parallelen zur About Page fand. (Dieses Thema begleitet mich anscheinend auf Schritt und Tritt – schattengleich und leicht penetrant.) Und weil mich diese gemachten Erkenntnisse so fasziniert haben, ist es mir ein großes Bedürfnis sie zu teilen. Fangen wir mal damit an, was guten Journalismus eigentlich auszeichnet: Wirksamkeit.


Ist ein Artikel wirklich gut, löst er etwas aus, ja sogar die Welt kann er ein wenig verändern. Und diese Mission schwebt dir doch auch vor, seitdem du dich selbständig gemacht hast und die Öffentlichkeit an deiner Idee teilhaben lässt. Du willst, genau wie ein guter Bericht, deinen Leser:innen Material an die Hand geben, das sie inspiriert und motiviert.


Dafür braucht es neben unbändiger Neugierde aber auch ein wenig Talent – Talent fürs Schreiben, Recherchieren, Argumentieren, Pointieren und Menschen emotionalisieren. Wenn du deine About Page schreibst, benötigst du von jedem etwas, zumindest ein klitzekleines Stück. Bevor du nämlich schreibst, solltest du dich über deine Zielgruppe informieren, ein wenig recherchieren. Du brauchst natürlich auch ein bis zwei Argumente, um deine Vision verständlich zu machen, und Pointen, um zu überzeugen. Und letztlich willst du mit deiner About Page Menschen berühren, begeistern, öffnen und für dich gewinnen.


Meine Behauptung klingt jetzt nicht mehr ganz so abwegig, oder? Dann ist es Zeit, tiefer in die Materie zu dringen: Welche journalistischen Formen machst du dir beim Schreiben deiner About Page unbewusst zu eigen? Ich denke, deine About Page ist eine Kombination aus Reportage, Porträt und Essay.






Die Reportage


Sie beherrscht die Kunst, so spannend zu erzählen, dass du selbst den Druck auf der Blase ignorierst, nur weil du unbedingt wissen willst, wie es weitergeht. Aber wie schafft das deine About Page?


Deine Leser:innen müssen das Gefühl haben, als wären sie dabei gewesen – zu diesem einen Zeitpunkt, in dieser gewissen Situation, an diesem gewissen Ort. Sie brauchen einen Punkt, mit dem sie sich identifizieren können. Einen, der Relevanz für sie und ihr Anliegen hat. Es sei denn, du schreibst so bildhaft, dass es gar nicht nötig ist, dabei gewesen zu sein, um es nachvollziehen zu können. Die Reportage lebt von Beschreibungen, vom Konkreten. Sie schafft es, alle Sinne zu schärfen. Auch deine Leser:innen könnten deinen Text spüren – Je spezifischer und detaillierter du ihn formulierst, desto besser gelingt es dir. Es sind die kleinen, feinen Beobachtungen, die den Unterschied machen. Dabei muss das Kind nicht immer beim Namen genannt werden, machmal reicht diese eine Beobachtung, die sinnbildlich für etwas Bedeutendes steht.


Genau wie es bei der Reportage auch der Fall ist, musst du in der Lage sein, aus all den Sammlungen, Eindrücken, Momenten, Geschichten und Situationen, die das Leben dir geschenkt hat, streng auszuwählen und zu sortieren. Tut es deiner Geschichte sein Übriges dazu, treibt es sie voran oder kann das weg?


Eine weitere Sache, die Reportagen spannend macht und deine About Page interessant: Die Entwicklung. Noch besser: eine überraschende Entwicklung – das ist das, was deine Leser:innen interessiert. Wenn sich eine Person entwickelt, dann entwickelt sich daraus auch eine Geschichte. Spannender wird es, wenn ein Konflikt involviert ist. Nichts anderes machst du auf deiner About Page, sei es ausführlich oder in einem Satz.




"Du gibst einen Abriss aus deinem Leben, deiner Entwicklung, deinen Herausforderungen oder überraschenden Fügungen. Über Schwierigkeiten, die du gemeistert hast und Hürden, die du überwinden musstest. Über erfolgreiche Ideen oder elendig scheiternde."




Der Kombination aus anschaulichen Bildern, informativen Brocken und reflektierenden Gedanken findet sich in einer guten Reportage, aber auch auf einer guten About Page wieder: Die Leser:innen erleben mit und verspüren den Drang nach weiteren Information, um alles einordnen zu können. Um eine Erkenntnis mitzunehmen.


Damit der Text wirklich wirkt – das Ziel von Journalismus und About Page – sollte er transparent und ehrlich sein, die Leserschaft bei ihren Zweifeln abholen. Damit sie dir vertrauen können. Die Reportage unterhält und meint es durchweg ernst. Deine About Page nicht?






Das Porträt


Wenn ein textliches Gemälde entsteht, reden wir von einem Porträt. Das ist schon fast selbsterklärend, und wird deshalb nicht ganz so viel Erläuterungen der Elemente mit sich bringen. Aber es ist eben die Form des Journalismus, die am nächsten liegt und somit auch eine Auseinandersetzung wert ist.


Wie beim journalistischen Porträt ist es auch auf der About Page elementar, abzuwägen und exakt zu überlegen, welche Informationen wie und wann du preisgibst. Schließlich soll es, wie die Reportage, eine bestimmte Wirkung auslösen. Denn hat sich jemand erst einmal ein Bild gemacht, ist es schwer, dieser Schublade wieder zu entkommen. Es ist somit entscheidend, sich auf ein Thema, auf einen Aspekt festzulegen: Zu welchem Zeitpunkt wird das Porträt geschrieben? Erfolg oder Krise, Midlife oder Junior, auf der Reise zu sich selbst oder schon viel zu viel erlebt.


So machen es Porträtist:innen und das ist auch für deine About Page ein wirkungsvolles Mittel. Stelle dich in einen Kontext, in eine geartete Szene, die deine Aussage und deine Mission unterstreicht. Und: Sei ehrlich dabei, betrachte kritisch, reflektiere – nur so wird es authentisch.


Um der Person noch mehr Nähe zu schenken, untermalen Journalist:innen ihre Porträts oft mit Zitaten. Auf deiner About Page sind es deine Aussagen, die ihr mehr Wirkung verleihen. Auch sprachliche Eigenheiten, dein Blick auf die Welt oder ein typischer Schreibstil, den man mit dir in Verbindung bringt. Das ist letztlich das, was die Sache persönlich macht und bald mehr über dich verrät, als deine Geschichte. Deshalb ist der über alle Kontinente hinweg gepredigte Rat, zu schreiben wie man spricht, so effektvoll.






Der Essay


Im Essay wird den Gedanken freier Lauf gewährt. Sie sind seine Protagonisten. Alles ist hier möglich – Hauptsache die Behauptungen werden, in welcher Form auch immer, belegt.


Auf deiner About Page sind es beispielsweise Dinge wie: Warum machst du das, was du machst? Warum ist es dir ein Bedürfnis? Warum denkst du, dass wir es brauchen? Gibt es Zahlen und Fakten oder konkrete Studien dazu? Und das in einer einfachen Sprache, sodass jeder die Idee und Argumentationsketten nachvollziehen kann. Du musst bedenken: Gedanken sind wirr, ihre Gänge dunkel und verwinkelt.


Deshalb ist es umso hilfreicher, eine Sprache ohne viele Fachausdrücke anzuwenden, damit eben diese Gedanken verständlich werden. Auch der Essay vermeidet im Großen und Ganzen Fachausdrücke – er möchte, genau wie du, verstanden werden. Das ist das essayistische Ideal; ein voraussetzungsloses Denken.


Du möchtest also eine Idee entwickeln, die einleuchtet, statt nur deine Meinung in andere Köpfe zu pflanzen. Das schaffen Essay wie auch About Page mit schlagenden Beispielen, die sich der Idee unterordnen. Das können Anekdoten, Szenen oder recherchierte Fakten sein, die sich im Laufe des Textes in zwingende Argumente wandeln. Raffiniert wird es, wenn der Blick auf Details gelenkt wird, die viele übersehen. Manchmal sind es die Dinge, die scheinbar nichts mit dem Thema zu tun haben, es aber sehr wohl einen Zusammenhang geben könnte. Das ist die Aufgabe eines Essays: Gedanken einfangen und Dinge zusammenbringen, um zu einer höheren Wahrheit vorzudringen.


Ein weiteres Merkmal des Essays: Er wird in einer Opposition geschrieben; er hat stets einen Gegner. Auf deiner About Page könnte es eine Herausforderung oder ein Konflikt sein: Was missfällt dir beispielsweise in deiner Branche und wie willst du es besser machen? Welche Erfahrung hat dich insofern geprägt, dass du andere dabei unterstützen möchtest? Welche Regeln möchtest du brechen, welche Räder neu gestalten?


Es ist ein Spiel aus Thesen und Gegenthesen, Beispielen und Gegenbeispielen, Abwägungen und Hin- und hergerissen sein. Anschließend werden alle Stränge verknotet und bündeln sich zu einem Fazit. Auf deiner About Page – deine Mission.


Wie auch in Essays sind Gedankensprünge, eine kleine Provokation, etwas Spannung und Humor durchaus erwünscht – das ist dein Stil, das bist du. Und genau das wollen die Leser:innen, die deine About Page besuchen. Sie wollen etwas über den Menschen hinter der Mission und den Gedanken erfahren. Sie wollen unterhalten werden.





Wenn dich deine Augen bis hierher getragen haben, konnten dich meine Gedanken hoffentlich auch unterhalten, inspirieren und motivieren, Dinge mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.