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Die Hard und Soft Skills einer About Page



Erinnern wir uns an den Teil eines Bewerbungsgesprächs, wo wir um eine Selbsteinschätzung gebeten werden, denken wir wahrscheinlich auch unweigerlich an Hard und Soft Skills. So ist es zumindest bei mir.


Auch die About Page, mit der wir einen ersten guten Eindruck hinterlassen wollen, lässt sich in harte und softe Faktoren einteilen. Ins Offensichtliche – die Struktur, und in die Persönlichkeit, mit der du den Unterschied machst.



Fangen wir mit der harten Schale an und arbeiten uns vor bis zum weichen Kern.







Hard Skills



Satzlänge



"This sentence has five words. Here are five more words. Five-word sentences are fine. But several together become monotonous. Listen to what is happening. The writing is getting boring. The sound of it drones. It’s like a stuck record. The ear demands some variety.


Now listen. I vary the sentence length, and I create music. Music. The writing sings. It has a pleasant rhythm, a lilt, a harmony. I use short sentences. And I use sentences of medium length.


And sometimes, when I am certain the reader is rested, I will engage him with a sentence of considerable length, a sentence that burns with energy and builds with all the impetus of a crescendo, the roll of the drums, the crash of the cymbals–sounds that say listen to this, it is important." - Gary Provost

Und er hat so recht! Oder?


Denn sind wir mal ehrlich: Wenn du deine Texte liest, hörst du nicht manchmal auch die Stimme von Homer Simpson, die dir zuruft: Laaaaangweilig!


Und du antwortest: Jaaaaahhaa, ich weiiiiiß!


Manchmal will es einfach nicht fluppen und gleicht den ersten Begegnungen mit der Gangschaltung.

Aber wie kann man das ändern ohne sich eine Karre mit Automatikgetriebe zu kaufen?


Der Autor Gary Provost hat das auf grandiose Weise gezeigt: Variiere die Satzlänge!

  • Sind alle Sätze zu kurz, füge einige zusammen, indem du den Punkt gegen ein Komma tauschst

  • Sind alle Sätze zu lang, mach genau das Gegenteil und teile sie in zwei Sätze, wenn möglich

  • Willst du deine Sätze unter keinen Umständen ändern, dann streue zumindest zwischen die langen Sätze noch ein paar kurze und umgekehrt

Die Umsetzung dieser kleinen Kniffe kann Wunder bewirken und nahtlose Übergänge schaffen - vom ersten Gang in den fünften. Glaub mir!


Scanbarkeit



Wenn du einen Online-Artikel liest, wie verhältst du dich?


Du scannst, oder? Genau wie deine Leser*innen.


Schließlich wollen wir wissen was uns erwartet, bevor wir unsere Zeit - und seien es nur 5 Minuten - investieren. Stimmts?


Dann gib deinen Leser*innen doch etwas, woran sich ihre Augen klammern können. Etwas, das sie daran hindert rasch durchzuscrollen, ohne auch nur einen Moment innezuhalten.

Am Besten mit Zwischenüberschriften.

  • Notiere dir dafür 4-8 Stichpunkte, die das zusammenfassen, was du sagen möchtest

  • Hebe sie optisch ab (färben, fetten, unterstreichen) und wähle anschließend eine logische Reihenfolge

  • Jetzt musst du nur noch die Zwischenräume mit entsprechenden Infos füllen


Tada, dein Text hat ein Grundgerüst und lässt sich scannen.

Er hat Zwischenüberschriften und ist bereit, finalisiert zu werden.


BlaBla-Faktor

"Be grateful for every word you can cut" - William Zinsser


⁣⁣In der Kürze liegt die Würze.

Davon bin auch ich mittlerweile überzeugt. Denn es sind oft nur ein paar Wörter oder Sätze, die den kleinen aber feinen Unterschied machen: ⠀

  • Warten müssen, bis etwas kommt oder kaum abwarten können, was als nächstes kommt⠀

  • Durch viel Drumherum in Unklarheit gelassen werden oder durch viel drin Klarheit erlangen⠀

Konzentriere dich also auf aussagekräftige Sätze, die ordentlich Wumms unterm Kessel haben, statt lang vor sich hinblubbern.⠀


Beim guten Texten geht es nämlich darum, Informationen auf dem effizientesten Weg von einem Gehirn zum anderen zu senden. Das bedeutet, die meiste Information in der geringsten Anzahl von Wörtern zu geben.


Hier ein Beispiel, wie aus einem langatmigen Text, etwas Prägnantes wird:


  • Wir haben hohe Ansprüche an uns und unser Produkt, womit wir einen außerordentlicher Qualitätsstandard setzen. Wir bieten eine nachhaltige Lösung zum Aufbau eines großen, treuen Kundenstamms. Unser Ziel ist es, mithilfe eines automatisierten Prozesses die Kundenbetreuung so effizient und komfortabel wie möglich zu gestalten.

  • Unsere Mission ist es, Ihnen zu zeigen, wie einfach es ist, durch automatisierte Prozesse einen Kundenstamm aufzubauen, der nachhaltig wächst. Ohne dabei an Qualität und Komfort zu sparen.

  • Durch unsere komfortable Software-Lösung, ist langfristige Kundenbindung kein Fremdwort mehr.


Soft Skills

Haltung



Hab zu allem, was du schreibst, einen klaren Standpunkt.

Entscheidest du dich für Engagement, entscheidest du dich automatisch auch dafür, Themen anders zu betrachten, deine Meinung differenziert auszudrücken und vielseitig zu begründen.


Drei Möglichkeiten, um deinen Texten deinen Stempel aufzudrücken und deine Leser zum Nachdenken anzuregen. Theoretisch ganz einfach, praktisch manchmal auch etwas unbequem. Aber es lohnt sich.


  • Sprich dich gegen die gängige Meinung aus und du erntest Neugierde

  • Provoziere mit deiner Haltung und du löst Empörung aus

  • Überrasche mit einem Widerspruch und du schaffst kleine innere Proteste

Damit hast du deine Leser emotional. Vorausgesetzt natürlich, du bietest Mehrwert.


Denn ausschließlich deine Meinung zu äußern, ist nicht wirklich interessant. Mit Gründen und Zusammenhängen schon. Bereite sie also so auf, dass sie klar wird wie der Blue Lake in Neuseeland.


Bau deinen Text dafür um deinen Standpunkt auf und nicht umgekehrt. Alles wird sehr viel greifbarer, wenn du aus deiner Gefühlslage heraus erzählst.

Erster Eindruck


"Bleed in the first line. Make it human." - James Altucher


Ja, du hast es richtig übersetzt. Und nein, du brauchst kein Blut, damit deine Texte menschlich werden.


Aber etwas Echtes, Geheimnisvolles, Persönliches oder Gefühlsbetontes.


Willst du deinen Text mit ein paar Worten zur persönlichen Weiterentwicklung eröffnen, beginne statt mit einer „Übung macht den Meister“- Präambel einfach mit einer Anekdote.


Dafür braucht es nicht unbedingt die Tage, an denen kleine Nervenzusammenbrüche emporschießen, weil man ins Erbrochene der Katze tritt und statt Milch Orangensaft in den Kaffee kippt.


Es darf durchaus auch positiv sein. Oder weder euphorisch noch dramatisch - solange du ein wenig Spannung aufbaust und deine Leser damit bei der Stange hältst.



Ihr Vater hat sich eben mal wieder durch die Charts gesungen. Nichts ungewöhnliches. Aber diesmal gab es keinen Tinitus, sondern eine männliche Adèle. Wir waren drauf und dran zu brüllen: „Zu-ga-be!“


Schau, in diesem Beispiel gibt es weder echtes Blut noch abgestorbene Ohren. Und trotzdem ...


  • kannst du dich wahrscheinlich in die „vertraute“ Situation hineinversetzen

  • fühlst du wahrscheinlich auch Fremdscham und den langen Piepton

  • bist du wahrscheinlich angenehm überrascht vom Wandel

  • möchtest du wahrscheinlich wissen, wie es endet und weiterlesen


Oder?


Vorstellungskraft

Schaffe starke mentale Bilder. Schaffe Spaß am Lesen. Schaffe Raum für Fantasie.


Hört sich easy an, aber dir fehlt ein passender Ansatz? Es gibt drei wunderbare Möglichkeiten:



1. Lass deine Leser durch deine Augen blicken


  • Male ein Bild mit einfachen Worten und jeder Menge Details

  • Beobachte dafür die Situation, wie sie sich um dich herum entfaltet

  • Sprich dabei alle Sinne an


2. Falle nicht gleich mit der Tür ins Haus


  • Beschreibe ein Setting, das eine Vision im Kopf der Leser heraufbeschwört

  • Frage dich dabei wie du bestmöglich die Stimmung der Situation einfangen kannst

  • Streue dafür einige Hinweise, z.B. ein verstaubtes Telefon, das uns Einsamkeit und Isolation suggeriert

3. Mache mit Metaphern komplexe Gedanken leicht verständlich


  • Kreiere Vergleiche, die frisch und originell sind, um der Kitsch-Falle zu entkommen

  • Diese bleiben nämlich bei den Lesern besser haften als abgedroschene Floskeln


„Matilda“ ist ein eindrucksvolles Beispiel:


Anstatt die Eltern metaphorisch als Rabeneltern zu bezeichnen, beschreibt es Roald Dahl so:


Sie betrachteten Matilda nicht anders als ein Stück Schorf. Mit Schorf muss man einfach leben, bis die richtige Zeit gekommen ist. Dann kann man ihn abpulen und wegschnippen.“


So, und nun hoffe ich, ich konnte dich ein wenig inspirieren und zu Taten motivieren.



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© 2020 SANDRA SCHWIETZER | FOTOS: CLAUDIA WEIDAUER