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Eine About Page ohne Persönlichkeit ist wie ein Schulzeugnis ohne Beurteilung



19.07.1996 – Freitagmittag, die letzte Stunde vor den Schulferien.






Was die allgemeine Beurteilung auf all meinen Zeugnissen angeht, glichen sie sich wie Mary-Kate und Ashley Olsen. Die komplette Schulzeit hinweg. Alle halbe Jahre.


Auch wenn mir die mittlere Zeile "üblicherweise" ein Splitter im Auge war – man würde mich auch heute noch genauso beschreiben.


Weil ich so bin.


Würde dieses Schulzeugnis nur meine Noten abbilden, blieben an der ein oder anderen Stellen möglicherweise Fragen nach dem Warum offen. Der Blick hinter die Kulissen würde fehlen.


Warum hatte ich eine Zwei in Deutsch?


Es lag weder an meiner Rechtschreibung noch am Verfassen von Texten.

Es war der mündliche Sprachgebrauch und das Vorlesen.


Ich fühlte mich einfach nicht wohl dabei, vor 52 Ohren und 52 Augen zu sprechen.



Bis heute.



Auch heute noch schreibe ich lieber eine Mail statt zum Telefon zu greifen.

Ich würde lieber 52 E-Books schreiben, als einen einzigen Online-Kurs oder ein Webinar zu geben.


Ich konnte mich und meine Ideen schon immer besser schriftlich ausdrücken als mündlich. So meine Gedanken besser ordnen.



Das ist das, was man Persönlichkeit nennt.

Das ist das, was deine About Page ausmacht.



Denn, es wird immer jemanden da draußen geben, der genau das tut, was du tust.


Du weißt es. Sie wissen es. Ich weiß es.


Günstiger zu sein, schneller abzuliefern oder mehr Qualität zu bieten, sind keine Argumente mehr, warum du ihre erste Wahl sein solltest. Das wird vorausgesetzt.


Das, was den Unterschied macht, ist deine Persönlichkeit.



Und die gibt es kein zweites Mal.



Nutze sie also, um deiner About Page deinen einzigartigen Stil zu injizieren.

Er ist's nämlich, der den Unterschied macht zwischen geliebt oder gleichgültig werden, zwischen interessant oder gewöhnlich sein, zwischen Aufmerksamkeit bekommen oder nicht.




Schau mal, diese fünf stilistischen Tricks warten nur darauf, dass du sie auf deiner About Page streust, um zu zeigen, dass genau DU dahinter steckst. Beispiele inklusive.





1. Kontextwechsel



Denk mal über deine Branche hinaus: Welches Idiom könntest du verwenden, welches für dein Thema relevante Wort könntest du zweckentfremden?


  • Ob du deine About Page oder die Büchse der Pandora öffnest, macht keinen Unterschied?

  • Deine About Page könnte getrost mit den Wölfen heulen?





2. Umschreibung



Nimm dir ein für dein Thema gewöhnliches Wort und umschreibe es nach deinem Gusto.



Schau mal, was klingt interessanter?


  • Lass mich mal einen Blick auf deine About Page werfen. Oder ...

  • Lass mich mal einen Blick auf den Teil deiner Website werfen, der interessanter ist als die Homepage, spannender als die Preisliste und besser konvertiert als die Sales Page.



Funktioniert auch super mit Verben:


  • Die About Page langweilt mich. Oder ...

  • Die About Page lässt meinen Melatoninspiegel ins Unermessliche steigen.



(Ich sag dir, das könnte ich stundenlang machen.)





3. Übertreibung



Übertreibungen sind genial, um eine erhöhte emotionale Wirkung zu erzielen. Na dann übertreib doch mal.


  • Das ist mit Abstand die beste About Page, die ich seit der Entdeckung Amerikas gelesen habe.






4. Humor



Verstecke ihn bloß nicht.

Verlässt du dich aber ausschließlich auf Emoticons und GIFs (Ich liiiebe liebe liebe sie!), verschwendest du (gottgegebene) Ressourcen.



Versuchs mal hiermit:


  • Überzogene Storys: Was spricht gegen eine Anekdote, die mehr Ironie enthält als eine Show mit Kurt Krömer?

  • Fantasiewörter: Nur weil etwas nicht im Wörterbuch steht, heißt das nicht, dass du es nicht verwenden darfst. Solange ein Wort eine Botschaft vermittelt, ist's erfolgreich.

  • Wortspiele: Haben wir nicht schon als Kinder jede Menge Zeit damit verbracht, Wortspiele aus den Namen unserer Klassenkameraden zu machen? (Wenn du mich fragst, ich musste mir tagtäglich anhören, dass ich „schwitze“)

  • Offensichtlich schlechte Ratschläge: Natürlich nur mit der Absicht, gute Ratschläge zu geben.




Strengst du dich allerdings zu sehr an, um witzig zu sein, wird's selten witzig.


Solltest du also ein langweiliger Finanzbuchhalter sein, der es liebt langweilig zu sein, dann schreibe auf jeden Fall langweilig.



Denn, Authentizität siegt letztlich vor Humor.


… Und auf deiner About Page.





5. Storytelling



Dass das Erzählen von Geschichten ein natürlicher Instinkt des Menschen ist, wissen wir.


Dass Geschichten eine grandiose Methode sind, um deine Leser*innen an deine Zeilen und dich zu binden, ist auch nichts Neues.


Dass Geschichten dir dazu verhelfen, deine Schreibstimme zu personalisieren, vielleicht schon.


Sobald du nämlich in den Erzähl-Modus statt in den Erklär-Modus wechselst, kommt deine natürliche Stimme zum Vorschein. Deine Persönlichkeit.



Und wenn du jetzt denkst, Geschichten müssen ganze Geschichten mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende sein, dann lass den Gedanken zu, dass eine Geschichte alles sein kann, was auch nur einen Hauch von Erzählung mit sich bringt.


  • Als ich zum tausendsten Mal las, ich würde mich im Unterricht mündlich zu wenig einbringen und dadurch Ressourcen verschwenden, wurde mir klar, ...





... dass ein Schulzeugnis ohne allgemeine Beurteilung wie eine About Page ohne Persönlichkeit wäre.







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© 2020 SANDRA SCHWIETZER | FOTOS: CLAUDIA WEIDAUER